Fr 16.12.2011 00:40

Wetter - Joachims gefährliche Zugbahn

Hallo,

nun sind es nicht mehr nur die Briten, auch das GFS-Modell zeigt eine für uns ungünstige Entwicklung des Tiefs Joachim. Joachim wird am Freitag über das südliche Niedersachsen nach Osten ziehen, so dass wir voll in das Sturmfeld an der Südseite des Tiefs kommen. Vor allem am Freitagnachmittag und auch noch am Abend besteht demnach bei uns die Gefahr von orkanartigen Windböen der Stärke 11, Orkanböen der Stärke 12 sind nicht ganz ausgeschlossen. Aber vielleicht haben wir ja Glück wie 2007 bei Kyrill, als die Windprognosen noch extremer waren als jetzt und wir am Ende mit Böen der Stärke 10 recht glimpflich weg kamen. Die Prognosen waren bei Kyrill übrigens nicht falsch, in der freien Atmosphäre wehte damals wirklich der volle Orkan (172 km/h auf der Wasserkuppe), nur wurde dieser eben glücklicherweise nicht in Form von Orkanböen zum Boden herab transportiert.

Wetterochs

Stefan Ochs Wettermail - Do 15.12. 21:40

Hallo,

das Sturmtief Joachim wird am Freitag über Norddeutschland nach Osten ziehen. Leider muss man im Vorfeld eine gewisse Ähnlichkeit zum extremen Sturm Lothar konstatieren, der an Weihnachten 1999 über der Südwesthälfte Deutschlands wütete. Unschöne Erinnerungen weckt die aktuelle Prognosekarte des Britischen Wetterdienstes, die für Freitag ein Orkantief mit einem Kerndruck von 959 hPa über Nordhessen zeigt (*). Wir können nur auf das Sankt-Florians-Prinzip vertrauen (Lothars Bahn verlief dann südlicher als erwartet) oder darauf, dass diesmal die anderen Wettermodelle die Gefährlichkeit der Wetterlage besser einschätzen. Die sehen zwar auch dieses Tief, aber nicht in einer so extremen Ausprägung. Demnach müssen wir am Freitag insbesondere am Nachmittag mit Sturmböen der Stärke 9-10 aus Südwest bis West rechnen, aber nicht mit Orkanböen. Einig sind sich alle Wettermodelle, dass es sehr ergiebige Niederschläge gibt, die anfangs als Schnee fallen und dann in Regen übergehen. Innerhalb von 5 Stunden werden 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter erwartet, so dass es örtlich zu Überflutungen kommt. Der nasse Schnee könnte außerdem am Morgen zu Schneebruch führen. Am Nachmittag und am Abend gibt es noch zeitweilige Niederschläge, die von Regen wieder in Schnee übergehen und nicht mehr so ergiebig sind. Die Temperaturen liegen am Morgen und am Abend bei +1 Grad, am Nachmittag werden +5 Grad erreicht.

Am Samstag und Sonntag ist es meist bedeckt mit meist leichten Schneeschauern, im Regnitztal kann am Samstagnachmittag auch Schneeregen fallen. Die Temperaturen erreichen im Regnitztal am Samstag maximal +2 bis +3, am Sonntag maximal +1 bis +2 Grad. Die Dauerfrostgrenze sinkt von 500 m am Samstag auf 400 m am Sonntag. Der Westwind weht mäßig mit starken Böen (Beaufort 6).

Am Montag ist es winterlich kalt mit leichten Schneeschauern bei Höchsttemperaturen nahe 0 Grad. Eine Warmfront bringt ab der Nacht zum Dienstag Niederschläge, die zunächst als Schnee fallen und dann in Regen übergehen. An den Folgetagen wird es wieder deutlich milder mit Temperaturen bis 7 Grad am Donnerstag.

Keine der vorliegenden Wetterkarten zeigt Winterwetter an Weihnachten. Die "Weiße Weihnacht" kann man in diesem Jahr nahezu ausschließen.

Wetterochs

(*) Aus der Wettermail von Sonntag 26.12.1999 00:40 Uhr:
"Der Britische Wetterdienst sagt uns für den Sonntag ein ausgewachsenes Orkantief mit 966 hPa über Nordhessen voraus. Katastrophale Stürme bei uns wären die Folge! Wahrscheinlich (hoffentlich) hat hier der Britische Humor oder ein vorgezogener Y2000 Bug zugeschlagen. Die anderen Prognosemodelle sehen nämlich dieses Orkantief nicht, stattdessen sehen sie ein stattliches, aber nicht bedrohliches Randtief über Norddeutschland.
 
 

Sa 17.12.2011 14:10

Wetter - Rückblich auf Joachim, Ausblick auf Weihnachten

Hallo,

Sturmtief Joachim ist nun abgezogen. Zeit für eine kleine Bilanz und die zeigt Überraschendes. Joachim lag gestern am Freitag um 13 Uhr mit einem Kerndruck von 965 hPa nahe Bielefeld(*). Vergleicht man das mit den Prognosen vom Dienstagabend, so hat das japanische JMA-Modell die Position und das Britische UKMO den Kerndruck des Tiefs am besten vorhergesagt. Am deutlichsten war das ECMWF daneben gelegen (Thüringen 985 hPa), deren Wettermodell zwar bei statistischen Auswertungen regelmäßig am besten abschneidet, dann aber offensichtlich bei ungewöhnlichen Wetterlagen versagt. Joachim brachte zwar über längere Zeit windiges Wetter, aber keine außergewöhnlichen Windböen. Maximal wurde in Bamberg Windstärke 8 (64 km/h) registriert und in Nürnberg Windstärke 9 (84 km/h). Erstaunlich ist, dass zwei Tage zuvor am Mittwoch im Zusammenhang mit Schauern und Gewittern heftigere Windböen auftraten als bei Joachim (Bamberg 82 km/h und Nürnberg 85 km/h, in beiden Fällen Windstärke 9). Bei Stürmen ist eben immer auch viel Zufall im Spiel, weil man nur schwer vorhersehen kann, wie stark sich die Oberwinde (speziell in 1000-1500 m Höhe) letztlich wirklich am Boden auswirken. Viel Regen hat Joachim mit rund 35 Litern pro Quadratmeter in der Fränkischen Schweiz gebracht, so dass die Wiesent sogar Hochwassermeldestufe 3 erreichte. Im Windschatten des Steigerwaldes regnete es deutlich weniger, Bad Windsheim kam nur auf 12 Liter pro Quadratmeter.

Und wie geht es weiter? Ein Ende der Westwetterlagen ist nicht abzusehen, sie werden bis über Weihnachten hinaus unser Wetter prägen. Dabei fließt zunächst feuchtkalte Luft zu uns, die Mitte der Woche allmählich wieder von milderer verdrängt wird. Aktuell erwartet kein Wettermodell weiße Weihnachten und wenn es nicht noch eine faustdicke Überraschung in Form eines plötzlichen Umschwungs bei den Vorhersagen gibt, dann ist das Thema "Weiße Weihnacht" für dieses Jahr gegessen.

Zuvor wird es aber doch zumindest ein bisschen winterlich, vor allem in Lagen oberhalb von 400 m. Heute am Samstag konnte sich zwar die Schneedecke aus der Nacht nicht halten, auch nicht auf den Höhen des Jura, aber in der kommenden Nacht und morgen am Sonntag gibt es weitere Schneeschauer, wobei die Frostgrenze auf 500 m sinkt. Daher dürfte sich zumindest oberhalb von 400 m eine dünne Schneedecke ausbilden, in tieferen Lagen wird es aber wohl nichts werden. Der Wind weht auch morgen am Sonntag mäßig aus West mit starken Böen. Die Temperaturen liegen heute im Regnitztal bei +3 Grad, in der kommenden Nacht bei 0 und morgen bei +1 bis +2 Grad.

Am Montag lässt der Westwind nach. Die Temperaturen liegen nur noch im Regnitztal am Nachmittag knapp über 0 Grad, ansonsten herrscht Frost. Gelegentlich gibt es leichte Schneeschauer, deren Ergiebigkeit nicht mehr zum Aufbau einer richtigen Schneedecke reicht, nur noch zum Überzuckern der Landschaft.

Am Dienstag erreicht uns eine Warmfront. Zunächst schneit es und es bildet sich auch im Regnitztal eine Schneedecke aus, am Nachmittag geht der Schnee aber allgemein in Regen über und es setzt auch in höheren Lagen Tauwetter ein. Nachfolgend erwartet uns mehrtägiges Regenwetter, wobei die Temperaturen langsam bis auf 8 Grad am Donnerstag klettern. Der Südwest- bis Westwind frischt ab Dienstag wieder auf und ist in Böen stark.

Wetterochs

(*) Womit auch endgültig bewiesen wäre, dass es Bielefeld tatsächlich gibt. Denn wenn es Bielefeld nicht gäbe, dann wäre gestern dort auch kein Tief gewesen und wir hätten weder Wind noch tiefen Luftdruck gehabt. Wir konnten aber beides beobachten und wenn man nun davon ausgeht, dass wir selbst existieren ("cogito ergo sum"), dann muss es auch Bielefeld geben.
 
 

So 18.12.2011 21:53

Wetter - ruhiges, mildes Wetter an Weihnachten

Hallo,

etwas milder als erwartet war es am Sonntag mit Nachmittagstemperaturen von +2 bis +3 Grad im Regnitztal. Auf dem Ochsenkopf in 1000 m Höhe wurden zugleich -4 Grad verzeichnet, was einer kräftigen Temperaturabnahme mit der Höhe von 1 Grad pro 100 Meter entspricht. Dies ist typisch für Kaltluft, die mit großer Geschwindigkeit über das milde Atlantikwasser zu uns geführt und auf ihrem Weg von unten angewärmt wurde.

Insgesamt ist meine Faustregel, dass es bei stärkerem Wind fast nie klappt mit dem Aufbau einer soliden Schneedecke im Regnitztal. Kommt nämlich die Luft schnell aus Westen, dann ist sie vom Atlantik so vorgewärmt, dass der Schnee unterhalb von 400 m nicht liegen bleibt. Bei Nord- bis Ostwind ist die Regel auch richtig, weil es bei uns im Windschatten von Erzgebirge, Fichtelgebirge und Bayerischen Wald dann meist nur unergiebige Schneefälle gibt. Weht der Wind kräftig aus Süden und es schneit, dann handelt es sich praktisch immer um eine Warmfront und der Wind wird nachfolgend rasch auf Südwest bis West drehen.

Am Montag weht der Westwind bei uns nur noch schwach, die Luft kühlt insgesamt noch ein bisschen aus, im Regnitztal kommen wir aber trotzdem am Nachmittag wieder etwas über den Gefrierpunkt. Dazu ist es wechselnd wolkig mit vereinzelten leichten Schneeschauern. In den Nächten zum Montag und zum Dienstag herrscht leichter Frost um -2 Grad.

Am Dienstag erreicht uns eine Warmfront. Es ist trüb mit leichten Niederschlägen, die zunächst als Schnee fallen, am Nachmittag dann aber zunehmend in Regen übergehen. Die Temperaturen liegen am Morgen bei -2, am Mittag bei 0 und am Abend bei +2 Grad. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Süd- bis Südwest.

Am Mittwoch weht der mäßige in Böen starke Westwind wieder Meereskaltluft heran (die von unten vorgewärmte Luft, wie schon am Sonntag). Es ist nasskalt mit Schneeregenfällen bei Temperaturen um +1 bis +2 Grad im Regnitztal. Oberhalb von 500 m herrscht Frost.

Eine nachhaltige Erwärmung bringt dann die Warmfront, die uns am Donnerstag mit ihren Niederschlägen erfasst. Anfangs kann es schneien, am Nachmittag fällt Regen. Im Regnitztal steigen die Temperaturen von 0 Grad am Morgen auf +3 Grad am Abend. Die Frostgrenze steigt auf über 3000 m, d.h. im Einzugsgebiet der Regnitz taut überall der Schnee wieder ab. Der schwache bis mäßige Wind weht aus Südwest.

An Weihnachten baut sich im Bereich milder Luftmassen ein Hoch mit Zentrum über den Alpen auf. Das Wetter wird also ruhig sein und recht mild mit Höchsttemperaturen um +5 Grad. In den Nächten wird es jedoch auch längere Zeit aufklaren, so dass es zu leichtem Frost kommen kann und sich örtlich Nebelfelder bilden.

Im letzten Jahr hatten wir ja die Super-Weiße-Weihnacht schlechthin. Von daher können wir in diesem Jahr auch ganz entspannt die Vorteile einer milden, grünen Weihnacht genießen. Für viele, die an den Feiertage Verwandte mit dem Auto besuchen, ist es ja ein Segen, wenn sie sich keine Gedanken über mögliche Behinderungen durch Neuschnee machen müssen. Ganz sorglos sollte man aber trotzdem nicht drauflosfahren, denn in den Nächten kann sich unter klarem Himmel besonders auf Brücken durch Reifablagerungen gefährliche Glätte bilden.

Wetterochs